Geschichte

Die Geschichte des Drachenpakt

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"Drachen Pakt"

"Ich sagte doch bereits, dass ich keine Ahnung habe, wo die Edelsteine hin sind", beteuerte Lisa.
"Trotzdem verschwinden sie ständig, seit du hier bist. Wenn du es nicht warst, kümmere dich darum! Das ist meine letzte Warnung." Streng blickte Lady Caw aus ihren grünen Augen auf ihre junge Schmuckschmiedin herab. Lisa schüttelte es innerlich bei diesem Blick, der durch die Augen zur Seele drang. Sie senkte die Augen, doch den Blick spürte sie weiter.
"Kümmere dich darum", wiederholte die Lady leise, ehe sie den Raum verließ. Ihr schwarzes Kleid reflektierte schimmernd die warmen Farben der Werkstatt. Sie war zwar die Besitzerin und selbst Schmiedin, hatte aber angeblich nach ihrem Meisterstück mit den Worten "besser wird's nicht" das Werkzeug bei Seite gelegt und nie wieder angefasst.
Lisa ließ ihren Blick durch die Werkstatt schweifen. Die anderen Lehrlinge waren längst gegangen und machten Feierabend. Sie wollte dagegen länger bleiben und ihr Werkstück fertig machen. Außerdem musste sie den Dieb fangen. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wer ihr die Probleme bereitete und eine gute Falle wollte ihr auch nicht in den Sinn kommen.
Ihre Augen fanden das halbfertige Medaillon. Sie musste es unbedingt noch feiner schleifen, ehe sie die Edelsteine einsetzen konnte. Zum Glück ließ Lady Caw ihren Arbeitern weitgehend freien Zugriff auf die Materialien. Lisa nahm sich einen kleinen Beutel mit Smaragden. Der grüne Schimmer würde sich perfekt in das Medaillon einfügen und jeden Betrachter in den Bann ziehen. Sie legte die drei Steinchen vor sich auf den Tisch und begann weiter zu arbeiten. Jetzt würde der Dieb wohl kaum zuschlagen.

Mit jedem konzentrierten Hieb und Schliff glitt sie weiter in die eigentümliche Trance, in der sie alles um sich herum ausblendete. Es gab nur noch sie und das Medaillon, an dessen Rand sich eine Schlange selbst in den Schwanz biss. Das Ouroboros war eine mythische Gestalt und passte in seiner Bedeutung perfekt zum Schmiedehandwerk. Sanft glommen die grünen Farben der Smaragde auf dem Gold. Sie wollte gerade einen nehmen, um zu sehen, ob er passte, als sie es bemerkte.
"Oh nein!", zischte sie, denn es lagen nur zwei der Smaragde dort. Erschrocken schaute sie sich um, doch niemand außer ihr war im Raum. Panisch suchte sie in ihren Taschen und in den Schubladen, sogar hinter die Fächer, aber sie fand einfach nichts!
Ihr Blick fiel erneut aufs Schälchen und ihr Herz setzte kurz aus. Ein einziger Smaragd war übrig! Irgendetwas konnte hier ganz und gar nicht stimmen! Schnell nahm sie ihn und steckte den Edelstein in ihre Tasche. Zumindest einen musste sie doch retten können. Sie sah sich um und lief durch die Werkstatt, aber es war im Licht der Kerzen und ihres Brenners einfach nicht viel zu sehen. Die Lampe des Arbeitstisches reichte lang nicht weit genug. Endlich setzte Lisa sich wieder frustriert, da spürte sie es. Irgendetwas bewegte sich in ihrer Tasche.
Starr vor Schreck achtete sie noch einmal darauf und tatsächlich war dort etwas. Ihre Hand glitt vorsichtig hinter sie, doch dort war niemand. Auf halbem Weg zur Tasche spürte sie einen leichten Druck.
Sie fuhr herum. Eine kleine, goldene Echse fiel aus ihrer Tasche, zusammen mit dem Smaragd. Blitzschnell griff sie nach ihr, doch die Echse schaffte es, ihrem Griff zu entwischen. Sie klatschte auf den Boden, sprintete jedoch unter den Tisch. Lisa bückte sich und griff ihr nach, das Vieh biss ihr dafür in den Finger und fauchte. Sie stieß schmerzhaft mit den Kopf gegen den Tisch, als sie ihre Hand zurück zog. Das Trippeln der Echse führte zwischen den Tischen hindurch und Lisa hastete hinterher. Ein Stuhl stand ihr im Weg, doch sie stieß ihn einfach zur Seite. Dafür krachte ihre Hüfte gegen einen Tisch und drückte ihn vom Platz. Sie strauchelte und fiel auf den Boden. Nur durch Glück konnte sie erkennen, wie die Echse sich vom Boden abstieß und wie ein wirbelndes Stück Goldpapier auf einen Schrank flog.

"Was zum...?", brachte sie leise hervor. Das war alles andere, als ein normales Tier. So eine Echse hatte sie noch nie gesehen, dazu die Vorliebe für Edelsteine und die Flugfähigkeit. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. Sie wischte sich ihre schwarzen Haare mit den helleren Querbändern aus dem Gesicht. Das Tier war alles andere als normal, aber Lisa musste ihm auf den Grund gehen. Sie nahm sich einen Stuhl, mit dem sie auf den Schrank schauen konnte.
Vorsichtig schielte sie hinauf. Eine kleine Stichflamme versengte ihre Augenbraue. Sie zuckte ein Stück zurück, doch das Wesen blieb wo es war und fauchte nur.
"Was bist du?", fragte sie vorsichtig, während sie auf dem Stuhl balancierte.
"Machst einen Ouroboros, aber weißt nicht, was ich bin", gab das Wesen zurück und breitete seine Schwingen aus, um den Edelsteinhaufen zu verbergen, auf dem es saß.
"Ein ziemlich kleiner Drache?", bemerkte Lisa. Ihre Hand griff vorsichtig in seine Richtung, um an die Smaragde zu kommen. Der Drache reagierte prompt und bäumte sich zu seiner vollen Größe auf. Die Flamme brandete heiß in Lisas Richtung, die sich mit einem spitzen Schrei wegduckte. Beide verharrten vollkommen still, als von oben Stöße mit einem Holzstab zu hören waren. Doch als die Lady nicht herunter kam, atmeten beide erleichtert auf.
"Du musst mit der Flamme vorsichtig sein, sonst brennt hier alles ab!", flüsterte Lisa eindringlich.
"Und du darfst nicht nochmal so schreien, sonst kommt die Lady herunter!", gab der Drache ebenso leise zurück.
"Aber ich brauche unbedingt die Smaragde, sonst werde ich hier herausgeschmissen. Die Lady hat..."
"Ich habe alles mitgehört, was sie gesagt hat, aber das ist MEIN Hort. Jeder Drache braucht einen." Um den Drachen schimmerte es durch die Edelsteine in verschiedenen Farben, was die goldenen Schuppen in verschiedenen Farben reflektierten.
Lisa rieb sich nachdenklich über die Stirn. "Na gut, wie wäre es damit: Du gibst mir die Smaragde wieder und dafür verrate ich dich nicht an Lady Caw."
Der Drache drehte nachdenklich den Kopf. "Ich will aber weiter Edelsteine sammeln."
"Ich bin mir sicher, ich kann welche für dich zurück legen, vielleicht auch etwas Gold", antwortete Lisa.
"Na gut. In der Schublade unter mir ist ein echtes, altes Pergament. Da halten wir unseren Pakt drauf fest. Du verrätst mich nicht und ich helfe dir dafür gelegentlich bei deinen Arbeiten."
"Das kannst du?"
"Ich bin ein SCHMUCK-Drache?!", halb empört setzte sich der Drache auf und verschränkte die Arme. Lisa fischte das ziemlich alte Pergament aus der Schublade und schrieb darauf "Drachenpakt".
Nach einigem hin und her hatten sie einen Vertrag untereinander aufgesetzt. Lisa unterschrieb und der Drache krallte sich ein Stück Kohle. Damit schrieb er "Magail".

"Wurde aber auch Zeit, dass ihr euch findet", grummelte eine Stimme hinter Lisa, die vor Schreck fast vom Stuhl gefallen war.
"Lady Caw!" Lisa hielt sich am Schrank fest. "Ich habe die Smaragde..."
"Das ist auch gut so. Ich weiß längst, dass hier ein Schmuckdrache haust." Ganz entgegen ihrer Art seufzte die Lady und lehnte sich beinahe lässig an den Arbeitstisch. "Glaubt ihr wirklich, ihr wärt die einzigen?"
Durch die Tür zu den Privaträumen kam ein Rabe angesegelt und setzte sich auf ihre Schulter mit einem neugierigen Blick. Sie streckte ihren Arm aus und deutete nach draußen, auf die Straße und die Welt im Allgemeinen. Lisa sah genauer hin und las wie zum ersten Mal: "Gasthaus zum Roten Hahn", "Atelier Öchsli", "Falkenapotheke".
"Mach doch die Augen auf, Kind!", forderte Lady Caw und Lisa stotterte: "Schmuckschmiede zum Raben."